Innovationen von unten

Erfolgsrezept von Roche:  „Innovation wird von unten erzeugt“

Wie Roche-Konzernchef Severin Schwan das weltgrösste Biotechnologie-Unternehmen führt. Besonders wichtig seien Freiraum für die Mitarbeiter und geduldige Kapitalgeber.

Die Forschungsarbeit in der Pharma- und Biotechnologie-Branche ist alles andere als einfach. Entgegen dem diesjährigen Motto am Swiss Economic Forums (SEF) in Interlaken – «Simplify» – bilde in seiner Branche die Komplexität sogar die Grundlage des Geschäfts, sagte der Konzernchef des Basler Pharmamultis Roche, Severin Schwan.schwan Denn es gäbe fast nichts komplexeres als den menschlichen Körper. Deshalb sei es seine Aufgabe, im Unternehmen ein Umfeld zu schaffen, das es den Mitarbeitern erlaube, mit dieser inhärenten Komplexität neue und bessere Medikamente zu entwickeln. Offenbar ist Schwan und seinem Team dies gelungen: Während seiner mehr als 20-jährigen Karriere bei Roche – der 47-Jährige Schwan verbrachte seine ganze berufliche Laufbahn beim Unternehmen – hat sich der Konzern nicht zuletzt dank der Grossakquisition der amerikanischen Genentech zum weltgrössten Biotechunternehmen entwickelt, das heute drei Viertel seiner jährlichen Einnahmen von 47 Mrd. Fr. damit verdient.

Mitarbeitern Freiraum lassen

Der Österreicher Schwan versuchte in fünf Thesen – die zum Teil herkömmlichen Managementlehren widersprechen – den Erfolg von Roche zu erklären. Angesichts des komplexen Geschäfts müssten kreativen Menschen Freiraum in ihrer Tätigkeit gegeben werden. Das könne zwar anfänglich zu Ineffizienzen und Doppelspurigkeiten in der Infrastruktur führen. Doch das sei eben der Preis für diese Vielfalt, was durch hoch motivierte Mitarbeiter jedoch mehr als kompensiert würde, sagte Schwan. Dieser Grundsatz gelte auch bei Akquisitionen, die das Unternehmen tätige. Deshalb durften zum Beispiel die Forscher von Glycart, einem Spin-off-Unternehmen der ETH Zürich, nach der Übernahme durch Roche vor zehn Jahren weiterhin in Schlieren bei Zürich bleiben und mussten nicht nach Basel dislozieren.

Je grösser und komplexer ein Unternehmen werde, desto wichtiger wird es laut Schwan, die zentrale Leitung möglichst klein zu halten und die meisten Aufgaben in die operativen Einheiten der Organisation zu verteilen. Als konkretes Beispiel erwähnte er, dass in seinem 87 000 Mitarbeiter zählenden Konzern in der Zentrale lediglich eine Person für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich ist, jedoch die entsprechenden Konzepte innerhalb der Organisation gelebt würden und Roche von den entsprechenden Institutionen Jahr für Jahr zum global nachhaltigsten Gesundheitskonzern gewählt wird. Continue reading